
Letzte Woche war es soweit, ich bin zu einer Pressevorführung von "The Dark Knight" eingeladen worden und konnte mir gute drei Wochen vor dem offiziellen Deutschland-Release den zweiten Teil des neuen Batman-Franchise ansehen. Es ist übrigens der erste Batmanfilm, der im Titel auf den Namen Batman verzichtet und als eine klare Anlehnung an Frank Millers düstere Batmanwelt zu verstehen ist.
Seit "Batman Begins" zählte ich die Tage bis irgendetwas Neues zum bevorstehenden Batman-Sequel im Internet erscheint. Christopher Nolans (Regisseur von "Batman Begins" und "TDK") reifere und düstere Interpretation von Batman überzeugte und begeisterte mich seit 2005 mehr als die in die Jahre gekommene, aber immer noch wunderbar anzusehenden Vision des Altmeisters Tim Burton. Von der absurden, überzeichneten und homoerotischen Vorstellungen eines Batmanuniversums des Regisseurs Joel Schumachers, verliere ich am besten kein Sterbenswörtchen. Nur soviel: seine beiden Filme "Batman Forever" und "Batman & Robin" waren sehr imageschädigend für das Franchise des Fledermausmannes und hinterlassen heute noch schockierte Blicke und schüttelnde Köpfe bei echten Fans.
Es vergingen ganze zehn Jahre bis Batman reanimiert werden konnte und die Leinwand zurückeroberte. Eine wichtige und gute Entscheidung war es Batman und seiner Umwelt einen realistischeren Anstrich zu verpassen und Gotham City, der fiktiven Stadt in der Batman für Recht und Ordnung kämpft, düster, hart und fernab von jeglichem Klamauk und Cartoonstil der vergangen Tage zu entwerfen. Die alten Fans danken den derzeitigen Verantwortlichen für diesen Entschluss, den Batman-Stoff im Sinne der finsteren Vorlagen von Frank Miller ("Batman: Year One"; "Batman: The Dark Knight Returns"; "Batman: The Dark Knight Strikes Again"), Alan Moore ("The killing Joke") und Jeph Loeb & Tim Sale ("Batman: The long Halloween") zu gestalten und Batmans wahren Geist filmisch umzusetzen.
Der Tag war gekommen. Mein Kollege und ich wurden vor dem Eingang zum Kino ordentlich durchsucht, bekamen ein paar Freigetränke und konnten uns dann in einem sehr großen Kinosaal nach Belieben freie Plätze für die kommenden 152 Minuten aussuchen. Der Saal war gut gefüllt und man spürte die Unruhe der zahlreich angereisten Fans, die Vorfreude in den Gesprächen und eine allgemein gute Stimmung im Saal.
Das Licht ging aus, die Geräuschkulisse verstummte und die leblose Leinwand begann plötzlich Farbe anzunehmen. Das Kinoereignis des Jahres 2008 hatte für mich begonnen.
Handlung:
Gotham City erlebt wieder eine neue Welle des Terrors. Ein mysteriöser Krimineller namens Joker treibt sein Unwesen in der Stadt. Dieser raubt und mordet, besitzt einen Hang zur Theatralik und gilt als sehr gefährlich.
Inzwischen wurde in Gotham der Bezirksstaatsanwalt Harwey Dent neu gewählt. Dent ist die Lichtgestalt von Gotham und mit seinem unbestechlichen Image nährt er die Hoffnungen der Bürger auf eine positive Zukunft. Batman glaubt, dass Dent ihn in naher Zukunft ablösen kann. Als gerechter Vertreter der Justiz, unmaskiert, adäquat sowie legitim in seinem Handeln und seiner Existenz, sei er der bessere Held Gothams. Zusammen mit dem rechtschaffenen Lieutenant Jim Gordon und der Hilfe von Batman, versucht das Triumvirat Gothams Kriminalität das Handwerk zu legen.
Joker baut währenddessen in der Stadt seine Macht aus und hält immer mehr Fäden in seinen Händen. Er erweist sich als ein psychopathischer und unberechenbarer Killer, der keine Skrupel und auch keine Plan besitzt, außer die Stadt und ihre Bewohner in Chaos und Anarchie zu stürzen und diese brennen zu sehen. Um sein Vorhaben zu verwirklichen, muss er an den Beschützern Gothams vorbei. Er beginnt ein dämonisches Spiel, ein Spiel das von Erpressung, Mord und Zerstörung geprägt ist und das in dessen Endbilanz sehr verlustreich ausfällt.
Meinung zum Film:
Die langersehnte Fortsetzung knüpft genau dort an, wo "Batman Begins" aufhört. Der Film erweist sich mit seinen 152 Minuten (2½ Stunden) als ein breit angelegtes episches Spektakel, mit top Besetzung bis in die Nebenrollen hinein, gewohnt spektakulärem orchestralischem Soundtrack von Hans Zimmer und James Newton und einer tollen Optik. Gotham präsentiert sich dem Zuschauer metallisch, gläsern und kalt, was die düsteren Grundstimmung des Films gut unterstreicht. Wirkt zugleich aber auch blass, durch jede andere real existierende Großstadt austauschbar und besitzt so gut wie keine markanten Bauwerke. Man versucht hier das fiktive Universum zu sehr mit der echten Welt zu verschmelzen und nimmt dem Film damit etwas an Atmosphäre.
Die beiden Routiniers und Oscarpreisträger Michael Cain als Butler Alfred Pennyworth, der für Bruce Wayne moralische Unterstützung und Vaterfigur ist und Morgan Freeman als Lucius Fox , welcher der Abteilungsleiter für angewandte Wissenschaften bei Wayne Enterprises ist und als gewiefter Fuchs Batman mit allerlei technischem Spielzeug versorgt, machen beide ihre Arbeit sehr überzeugend. Sie unterstützen Bruce Wayne / Batman mit Ratschlägen, technischem Spielzeug und liefern immer wieder sehr amüsante One-liner. Wem ihre sympathische Darstellung aus dem ersten Teil bekannt ist, darf auch hier wieder ähnliches Niveau der beiden Rollen erwarten.
Weiterhin zieren den den Cast dieses Sequels solche Größen wie Gary Oldman als Lieutenant Jim Gordon, Heath Ledger in der Rolle des Batmanerzfeindes Joker, Christian Bale mimt wieder Bruce Wayne und sein Alter Ego Batman, der aufstrebende Schauspieler Aaron Eckhart ist als Bezirksstaatsanwalt Harwey Dent tätig und Maggie Gyllenhaal ist als Staatsanwältin Rachel Dawes zu bewundern.
Die Story und das Drehbuch stammen auch dieses Mal wieder von C. Nolan Brüdern und David S. Goyer. Diese haben bereits beim ersten Film zusammengearbeitet und bezogen auch Nolans Bruder (Jonathan Nolan) in den kreativen Prozess mit ein.
Während sich der ersten Teil vordergründig um Bruce Wayne und die Geburt des dunklen Ritters beschäftigt, konzentriert sich der zweite Teil auf die Beziehungen und die Symbiose der vorhandenen Charaktere. Auch wird erstmals Batman kritisiert und seine Selbstjustiz infrage gestellt. Ebenso wichtig erschien es den Machern, das Verhältnis zwischen dem Staat und den Kriminellen/Terroristen in den Film mit einzubeziehen und die dabei entstehenden Schwierigkeiten zu verdeutlichen.
Die Story serviert einige Überraschungen, fällt abwechslungsreich aus und unterhält fast über die gesamte Dauer des Films ziemlich gut. Außerdem durchleben alle storyrelevanten Figuren eine Entwicklung, wodurch der Eindruck vermitteln wird, dass sich alle Figuren am Geschehen beteiligen und niemand überflüssig ist.
Positiv kann ich auch noch anmerken, dass man auf Übertreibungen in der Story und einen Cliffhanger verzichten konnte. Das bewirkt, dass der Film als schlüssig und abgeschlossen verstanden werden kann.
Die Motive einiger Figuren mögen unter Umständen etwas unnatürlich erscheinen und bei all der Qualität entweder ärgerlich, oder als verschmerzbar wirken. Dann gibt es wiederum einige kleine Szenen, die man als zu sehr getimet empfinden könnte. Ich persönlich empfand diese kurzen Momente als etwas störend und es ist der sonstigen Brilanz eines Christopher Nolans nicht würdig. Wenn man nicht zu sehr ins Detail geht und den Comiccharakter der Vorlage hervorhebt, so dürfen diese Kritikpunkte relativ wenig ins Gewicht fallen und könnten nur den Cineasten ein kleiner Dorn im Auge sein.
Auf der anderen Seite hätte man den Film auch etwas kürzen können. So ist z.B. der Ausflug Batman nach Hongkong nicht wirklich nötig gewesen und der Gastauftritt von Scarecrow (einem Bösewich aus "Batman Begins"), gespielt von Cillian Murphy, wirkt auch nicht unbedingt spektakulär. Etwas mehr Screentime für die alte Vogelscheuche wäre hier angebracht gewesen.
Zu dem Cast lässt sich im Detail folgendes sagen: Garry Oldman macht eine sehr gute Figur in seiner Rolle. Er verleiht der Figur Jim Gordon viel Menschlichkeit und ist sowohl als Commissioner, wie auch als sorgenvoller Vater und Familienmensch sehr gut anzusehen.
Aaron Eckhart ist der neue Star des Franchise. Er ist neben Joker ein weitere Motor für den Antrieb die Entfaltung der Story, gleichzeitig kommt ihm allerdings auch eine sehr tragische Rolle zu, die Gott sei Dank (diese Worte gebrauche ich wirklich selten) ohne viele Klischees solcher Charaktere auskommen muss. Seine Entwicklung ist nachvollziehbar und fügt sich somit wunderbar ins realitätsnahe Szenario der neuen Batmanwelt.
Der Hype um Ledgers Leistung ist so eine Sache - was wohl mit seinem plötzlichen Tod nach den Dreharbeiten zu tun hat - doch eines ist gewiss, es ist bei weitem eine der beste und teuflischsten Darstellung eines Filmbösewichtes der letzten Jahre. Joker: "This city deserves a better class of criminal and I'm gonna give it to them." Diese Worte wirken fast schon etwas prophetisch, denn sie stimmen und man muss es wirklich gesehen haben! Wirklich schade, dass es Ledgers letzter Auftritt als Joker bleiben wird.
Joker bringt Chaos in die geschaffenen Strukturen von Gothams Verbrechensbekämpfung und auch er ist es, der allen im Film die Show stiehlt. Seine perfide Art und sein fiebriges und psychopathisches Wesen wird von Heath Ledger eindrucksvoll dargestellt. Ledger schafft es eine Darstellung abzuliefern, die die Zuschauer an seinen Lippen hängen lässt und man von ihm völlig gebannt zusehen muss sobald er den Raum betritt. Er bringt Batmans Pläne gehörig ins wanken, da er das absolute Gegenpol zu ihm darstellt. Während Batman stets einen Plan besitzt und Regeln befolgt, interessiert Joker weder Geld, noch Ruhm, noch irgendwelche Pläne, Regeln und Gesetze. Das ist auch seine größte Waffe, mit der er Batman an den Rand der Legalität treibt und die Ordnung stört. Zwar hat Joker auch seine Ziele, doch er findet viel mehr Gefallen daran mit Batman zu spielen und Chaos zu stiften. Seine Taten liegen dabei oft außerhalb von Berechnungen und Logik und diese Spontaneität und Unberechenbarkeit machen ihn zu einer harten Nuss für Gothams dunklen Ritter.
Einen ausführlichen Vergleich mit Nicholsons Joker vermeide ich besser an dieser Stelle. Die Zeiten ändern sich und Ledgers Version passt eben viel besser in die heutige Zeit hinein. Ledger ist zwar mein Favorit, doch Nicholson hat ebenfalls seinen Charme und darf keinesfalls als Vergangenheit abgetan werden.
Christian Bale steht in diesem Film ausnahmsweise etwas im Schatten von Mr. Ledger, aber das ist auch nicht weiter schlimm, denn auch er hat seine Momente und strahlt als pechschwarze Fledermaus viel Stärke und Cooleness aus. Egal ob Bruce Wayne oder Batman, man kauft ihm seine Rolle ab. Was sehr erheiternd ausfällt, ist die Darstellung von Bruce Waynes öffentlichem Leben, immer wieder tritt er in Begleitung von irgendwelchen namenlosen, aber sehr attraktiven Mädchen auf. Das hat man schon im ersten Teil gesehen. So ein Doppelleben macht es wohl nicht einfach eine feste Beziehung mit jemanden einzugehen. ;-)
Ansonsten kann ich mit ruhigem Gewissen behaupten, dass so gut wie alle wichtigen Figuren, eine angemessene Screentime erhalten haben und niemand austauschbar, oder glanzlos auf der Leinwand wirkt.
Die Kampfszenen wurde in "TDK" besser gefilmt als noch im ersten Teil. Während noch in "Batman Begins" verwackelte und mit vielen Schnitten versetzte Aufnahmen die Optik prägten, lässt man dem Auge jetzt wesentlich mehr Zeit zur Erfassung von Bewegungen und eine bessere räumliche Wahrnehmung.
Wie die Trailer bereits zeigen, gibt es auch in diesem Teil wieder Szenen mit dem großartigen Tumbler (ein riesiges Automobil von Batman) und dem neuen Spielzeug seiner dunklen Majestät, dem Batpod (Batmans Motorrad). Auch der neue Anzug lässt wesentlich mehr Bewegungsfreiheit zu und die gestiegene Agilität ist dem geflügelten Fledermausmann deutlich anzumerken.
Nolan verzichtet größtenteils auf CGI-Effekte. Sie werden hin und wieder eingeschleust, doch wirken eher subtil und somit keinesfalls störend. Das ist gut, denn es lässt die Action viel realistischer wirken, als es bei anderen Actionfilmen der Fall ist.
All das, wie auch die gut gelungenen Suspense-Momente werden durch den tollen Soundtrack untermalt. Der akustische Flügelschlag ist in den Stücken wieder einmal zu vernehmen. Sehr gefallen haben mir darüber hinaus auch noch einige Szenen, in denen plötzlich Musik und sonstige Geräusche leiser gedreht werden und man für einige Augenblicke ein dumpfes Rauschen, oder einen monotonen Ton vernimmt. Sehr minimalistisch und eindrucksvoll!
Bevorzugt sei allen empfohlen den Film im Originalton zu sehen. Hier kann sich die gesamte Finesse von Jokers Worten und auch allen anderen toll geschrieben Gesprächen entfalten. Dennoch kann man den Film auch in deutscher Sprache sehr gut genießen. Den deutschen Synchronsprechern kann man an dieser Stelle einen Lob aussprechen.
Wo viel Licht ist, gibt es auch viel Schatten. Nun, zum Glück trifft es im Falle von "TDK" nicht exakt so zu wie in dieser Redewendung. Es gibt außerhalb den bereits genannten Kritikpunkten einige Logiklöcher. Zum Beispiel: Warum gehen Gothams Bürger und Polizisten auf Jokers Aufforderung ein, einen Mann zu töten und damit die Sprengung des Krankenhauses zu verhindern? Oder: Joker sprengt ein Krankenhaus und man fragt sich, wie er wohl so viel Sprengstoff - die Sprengung ist wirklich gewaltig - in ein Krankenhaus befördern konnte, indem es Tag und Nacht gearbeitet wird?
Jeder muss selbst entscheiden inwiefern ihn diese Momente stören, oder nicht.
Der Film ist trotz seiner bereits erwähnten Länge kurzweilig und das Geschehen kann durchaus fesseln. Das Ende hat es wieder einmal in sich und macht Lust auf eine weitere Fortsetzung. Er hat vor allem eine sehr ernste Grundstimmung und ist weniger für Kinder, denn für große Kinder geeignet. Die Macher schrecken nicht davor Charaktere sterben zu lassen und das Gesamtprodukt ist ein Paradebeispiel für einen respektvollen Umgang mit solchen ernsten Vorlagen. Hier hat man auf Qualität statt auf den schnellen Dollar gesetzt, was sich beachtlich auszahlt. Batman bricht einen Boxoffice-Rekord nach dem anderen. Die Kassen klingeln in den Staaten schon mächtig und auf IMDb belegt der Film in der Top-Liste den ersten Platz, was zwar nicht ganz berechtigt ist, aber die Qualität und das positive Echo erahnen lässt. Comicfans werden nicht enttäuscht und kriegen ein Fest der Superlative. Alle anderen werden einen guten Film erleben, einzige Voraussetzung, man bringt den etwas grotesken Figuren und der Vorlage etwas Sympathie und Verständnis entgegen.
Der Film kommt am 21. August zu uns in die Kinos. Viel Spaß beim Anschauen!
Wertung:
Als Batman-Fan kann ich nicht anders als diesem Werk eine 9/10 Wertung zu vergeben. Dieses Actiondrama sollte man keinesfalls verpassen!
Gruß anZen
Beitrag auf Freiblog.net


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Du wirst sonst gleich in die Action hineingeworfen und bist erstmal apathisch gegenüber dem Ganzen eingestellt, was Dir garantiert die Atmosphäre und den Spaß verderben würde. 
tut mir leid, ot.