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Moderator: anZen

Beitrag07.06.2009, 20:49 - #1 [Filmkritik] Terminator - Die Erlösung

Aus einer spontanen Laune heraus, verbunden mit nostalgischer Verbundenheit, habe ich mir gestern den mittlerweile vierten Terminator-Streifen zu Gemüte geführt. Rechnet man die Serie „Terminator SCC“ hinzu, kann der Kampf gegen die rotäugigen Kampfdampfer nun bereits auf eine recht ansehnliche Geschichte zurückblicken, auch wenn die Ideen nach Teil zwei natürlich ein wenig ausgelutscht waren.

Für die Prodzuenten bleibt die Zukunftssaga aber trotzdem einträglich, denn der Kinosaal ist voll, der Boden klebt, es stinkt nach Bier und Zigaretten. Zwar beschweren sich die Umsitzenden nun, aber mir ist das egal und fröhlich ploppt die nächste Flasche – ich will den Film schließlich nicht nüchtern ertragen.
Licht aus. Film fängt an. Wir befinden uns im Hinrichtungstrakt einer Haftanstalt und dürfen auch bald einer Urteilsvollstreckung beiwohnen. Meiner Meinung nach eine eher grenzwertige Art eine Geschichte zu beginnen, vor allem im Kino, aber das Publikum scheint sich nicht daran zu stören und mampft fröhlich Popcorn.
Um nun nicht allzu viel Bestürzung aufkommen zu lassen, springt die Handlung alsbald ins Jahr 2018: der Tag des jüngsten Gerichts ist vorüber, alles ist voll mit Maschinen und es wird geballert und herumexpolodiert, dass einem das Herz hüpft. Wir treffen John Connor (Christian Bale) wieder und im zerbombten LA auch seinen zukünftigen Vater Kyle Reese (Anton Yelchin), den es fortan zu finden und zu beschützen gilt. Der Hingerichtete vom Anfang (Sam Worthington) taucht auch noch auf und es wird weiter mit Tanklastzügen geworfen und mit Motorrädern jongliert, als gäbe es kein Morgen.
Die böse Computerarmada von Skynet ist derweil kräftig am werkeln und baut Maschine um Maschine, immer besser, größer, schneller, während sich die Allianz der Waghalsigen, die Verfechter der Menschlichkeit, das verbliebene Gute auf diesem Planeten, kurz: der Widerstand dazu entschließt, den donnernden Mörderapparaten eins auf den Deckel zu geben

Bevor wir aber am Ende über grünende Wiesen hüpfen und Sohnemann den um Jahre jüngeren Papi wieder in die Arme schließen kann, müssen wir erst mal alles kaputtmachen. Das heißt beide Parteien sammeln für sich ein akzeptables Waffenarsenal und schießen dann zu Klump, was ihnen so vor die Flinte läuft – wahlweise auch mal die eigenen Leute, Hauptsache es knallt und das Publikum freut sich.
Der Intellektuelle, dem solcherlei Feuerwerk zu banal ist, darf sich unterdessen fragen, was wohl passieren würde, sollte Kyle Reese den Löffel abgeben, ohne zuvor von seiner eigenen Lende Frucht in die Vergangenheit geschickt worden zu sein, um dort gerade eben diesen frechen Apfel beim wohlbekannten Sangestalent aus Delmenhorst zu pflanzen.
Wird John Connor explodieren? Hat er ein altes Foto dabei, auf dem er sich, wie weiland Marty McFly, bei der schrittweisen Selbstauflösung beobachten kann? Oder verschwindet das ganze Universum? – Die Antwort ist natürlich klar: nichts davon, es überleben beide, damit der Filius sein Väterchen irgendwann der lieben Frau Mama als geeigneten Begatter übersenden kann. Wissen wir schon aus dem ersten Teil und insofern bleibt die obige Frage wohl rein akademisch.

Gibt es nun auch etwas Schlechtes zu diesem Werk zu sagen, möchte der geneigte Leser wissen - und, erstaunlich aber war, ja, das gibt es: alles was die drei kinematographischen Urahnen noch an Charme und Humor aufweisen konnten, ist mit dem Arnienator wohl ins kalifornische Parlament entschwunden. Spaßvogel Schwarzenegger, der in Sachen Mimik und Sprachwitz einem der größten Komödiendarsteller aller Zeiten in kaum etwas nachstand (gemeint ist Buster Keaton), fehlt dem Film wirklich. Die heutigen Darsteller sind vielleicht kräftig und gucken böse, aber sich zehn Kilo Trauben in jeden Oberarm implantieren zu lassen und nur in debilen Halbsätzen zu kommunizieren, dazu fehlt ihnen einfach die Traute.
Der Regisseur, dessen Kreativität sich im Finden seines Namens (McG) erschöpft hat, fertigt ohne den steirische Auerochsen nur eine halbgare Collage aus Filmzitaten, wobei sich die meisten Anspielungen in solch plakativer Weise darbieten, dass es jeder Bahnhofsnutte die Schamesröte ins Gesicht treiben würde. Lustig ist das kaum und deshalb wird hier auch auf eine Aufzählung der verwursteten Filme verzichtet. Der selbstreferentielle Humor des dritten Teils schimmert nur kurz durch, mit Hilfe der fünf Bier konnte mir der Streifen dabei aber immerhin einen Lacher entlocken; recht wenig, wenn ich ihn mit seinem Vorgänger vergleiche. Ansonsten ist alles zu ernst, um wirklich zu unterhalten, und zusätzlich viel zu blöd für so viel Ernsthaftigkeit – eine Kombination, die dann eben nur unfreiwillig komisch wirkt.

Was kann den Film nun noch retten? Die Optik, ganz klar. Hier zeigt sich dann auch der wahre Ideenreichtum des McG – allerdings nicht im positiven Sinne. Fröhlich wirft er alles was es so gibt in einen Film: Hektisches Wackeln, ruhige Nahaufnahmen und weite Totalen aus den tollsten Perspektiven, simulierte Fehler im Filmmaterial und Computerspielästhetik von Verfolgerkamera bis zur klassischen isometrischen Draufsicht gibt es hier - nur bunt ist es nicht. Was sämtliche Teile des Films gemein haben, sind die verwaschenen Farben, die bei einem Endzeitszenario vielleicht nicht anders zu erwarten sind, aber hier wenigstens ganz schmuck aussehen.

Zu guter Letzt noch ein paar positive Aspekte: die Filmmusik von Danny Elfman kann sich hören lassen und die 115 Minuten vergehen auch für Nichtpyromanen erstaunlich schnell – gequatscht wird nicht viel, vielleicht sogar weniger als in einem modernen Actionspiel, und selbst Kugelhagel und Feuerbälle wechseln sich so schnell ab, dass man mit dem Gucken kaum hinterherkommt. Einen zusätzlichen Bonus gibt es dann noch dafür, endlich mal in die Fabrikationshallen von Skynet blicken zu dürfen. Für jemanden, der als Kind einen T-1000 auf dem Pyjama hatte, eben doch etwas Besonderes.

Deshalb gibt es gerade so 4 von 10 möglichen Punkten und den Auftrag es bei einer Tetralogie zu belassen.



Gruß,
Reksilat.

Edit: Kleine Überarbeitung vorgenommen. Dass Tony Scott und Denzel Washington ganz furchtbare Filme machen und die Neuverfilmung von "Pelham 123" in jeder Beziehung schlechter sein wird als das Original mit Walter Matthau ist zwar weiterhin richtig, gehört aber eigentlich nicht in den ersten Absatz.
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Beitrag18.06.2009, 00:05 - #2 Re: [Filmkritik] Terminator - Die Erlösung

(eventuelle Spoiler)

Für mich eine der größten Enttäuschungen des Jahres. In den ersten beiden Teilen wird die Zukunft weitaus düsterer gezeichnet, der Widerstand hat nicht diese opulente technische Ausrüstung, Connor ist die einzige Hoffnung der Menschheit. Der Kampf gegen die Maschinen war ein reiner Guerilla-Kampf; ohne Kampfjets, technischen Schnickschnack, brutal und beinahe hoffnungslos. T4 mit seiner unpassenden Optik (Brauntöne, Sepianfilter, immer strahlender Sonnenschein, extreme CGI-Effekte) passt gar nicht in Franchise; über den dritten Teil kann man streiten, der hatte aber noch Arnie, echte Specialeffects, war selbstironisch und das Ende war imo auch sehr zufriedenstellend. Ein Anachronismus damals; seltsamerweise daher doch erfrischend. Klar, T4 ist ein Kind seiner Zeit. Mit Transformers 2 (*würg) kommt demnächst ein weiterer stupider Actioner in die Kinos. Dennoch ist das Terminatoruniversum, welches Cameron erschaffen, verdammt faszinierend und interessant; es lädt zu endlosen Diskussionen ein, insbesondere das Zeitreisenparadoxon ist spannend. Bei T4 hat man einfach nichts mehr davon. T4 ist eigentlich nur eine langweilige Materialschlacht mit einem strunzdoofen Drehbuch; woher weiß denn Skynet, dass Kyle Connors Vater ist? Wieso bringt Skynet Connor und Kyle nicht um, obwohl es zahlreiche Gelegenheiten hatte? Wieso ist diese Basis von Skynet so dermaßen schlecht gesichert? Und wieso hat es ein "Gesicht" (ok, das erinnert mich an die 80er *g*)? Und das Ende mit der Herztransplantation ist einfach _peinlich_.

Hauptsache McG konnte mal ordentlich auf den Putz hauen. Christian Bale hat sich auch extrem verspekuliert. Nach dem ersten Drehbuchentwurf hätte man Connor erst ganz zum Schluss sehen sollen; das Ende sollte aber auch weitaus absurder sein. Da der McG aber Bale unbedingt an Bord haben wollte und er wie ein kleines Kind darauf bestand, den Connor zu spielen, wurde das Drehbuch vollkommen verwurschtelt, um dem Bale möglichst viel Screentime zu geben. So wirkt auch der Film; beliebig, unfertig, ohne Ziel und Tiefgang.

Schau doch mal im IRC vorbei!
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Zonk
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Beitrag18.06.2009, 23:13 - #3 Re: [Filmkritik] Terminator - Die Erlösung

Danke, Zonk, für den informativen Link. Ich bin wirklich beeindruckt, was da noch so alles für Ideen im Hintergrund gewartet haben, aber irgendwie kann mich keine davon restlos überzeugen. Dieses ominöse "Project ANGEL" ist einfach nur hanebüchen und zusammen mit der Loslösung des Namens John Connor von der Person nach deren Tod führt es in meinen Augen nur dazu, dass die ersten drei Teile komplett irrelevant erscheinen.
Kurz: Wenn John Connor nicht wäre, dann hätte eben jemand anders die Resistance angeführt. - Wozu dann das ganze Trara mit den Zeitreisen?

So wie das Drehbuch nun umgewubbelt wurde ist es aber auch nicht besser. Alles erscheint so willkürlich und mit der Zeit wird es einem egal, weshalb irgendetwas passiert - es passiert eben und gut, hauptsache gleich explodiert wieder was. Nach diesem Muster habe ich auch nicht weiter hinterfragt, weshalb die Maschinen die Menschen lebend einsammeln - der einzige Grund schien mir der, dass es so schön beklemmend wirkt, wenn die Leute in Schweinepferche gezwängt von Terminatoren bewacht werden und dass es außerdem in "Krieg der Welten" genauso war.

Wie wenig Logik man in solcherlei Werken erwarten darf, wird auch spätestens dann klar, wenn ein tonnenschwerer Kanpfroboter es für die effektivste Tötungsmethode hält, einen Menschen umzubringen, indem er ihn immer wieder quer durch den Raum an die nächste Wand wirft. :head:

Irgendwie schade, dass dieser Film so gar nichts mehr hat, über was man diskutieren könnte.

Gruß,
Reksilat.
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