Für die Prodzuenten bleibt die Zukunftssaga aber trotzdem einträglich, denn der Kinosaal ist voll, der Boden klebt, es stinkt nach Bier und Zigaretten. Zwar beschweren sich die Umsitzenden nun, aber mir ist das egal und fröhlich ploppt die nächste Flasche – ich will den Film schließlich nicht nüchtern ertragen.
Licht aus. Film fängt an. Wir befinden uns im Hinrichtungstrakt einer Haftanstalt und dürfen auch bald einer Urteilsvollstreckung beiwohnen. Meiner Meinung nach eine eher grenzwertige Art eine Geschichte zu beginnen, vor allem im Kino, aber das Publikum scheint sich nicht daran zu stören und mampft fröhlich Popcorn.
Um nun nicht allzu viel Bestürzung aufkommen zu lassen, springt die Handlung alsbald ins Jahr 2018: der Tag des jüngsten Gerichts ist vorüber, alles ist voll mit Maschinen und es wird geballert und herumexpolodiert, dass einem das Herz hüpft. Wir treffen John Connor (Christian Bale) wieder und im zerbombten LA auch seinen zukünftigen Vater Kyle Reese (Anton Yelchin), den es fortan zu finden und zu beschützen gilt. Der Hingerichtete vom Anfang (Sam Worthington) taucht auch noch auf und es wird weiter mit Tanklastzügen geworfen und mit Motorrädern jongliert, als gäbe es kein Morgen.
Die böse Computerarmada von Skynet ist derweil kräftig am werkeln und baut Maschine um Maschine, immer besser, größer, schneller, während sich die Allianz der Waghalsigen, die Verfechter der Menschlichkeit, das verbliebene Gute auf diesem Planeten, kurz: der Widerstand dazu entschließt, den donnernden Mörderapparaten eins auf den Deckel zu geben
Bevor wir aber am Ende über grünende Wiesen hüpfen und Sohnemann den um Jahre jüngeren Papi wieder in die Arme schließen kann, müssen wir erst mal alles kaputtmachen. Das heißt beide Parteien sammeln für sich ein akzeptables Waffenarsenal und schießen dann zu Klump, was ihnen so vor die Flinte läuft – wahlweise auch mal die eigenen Leute, Hauptsache es knallt und das Publikum freut sich.
Der Intellektuelle, dem solcherlei Feuerwerk zu banal ist, darf sich unterdessen fragen, was wohl passieren würde, sollte Kyle Reese den Löffel abgeben, ohne zuvor von seiner eigenen Lende Frucht in die Vergangenheit geschickt worden zu sein, um dort gerade eben diesen frechen Apfel beim wohlbekannten Sangestalent aus Delmenhorst zu pflanzen.
Wird John Connor explodieren? Hat er ein altes Foto dabei, auf dem er sich, wie weiland Marty McFly, bei der schrittweisen Selbstauflösung beobachten kann? Oder verschwindet das ganze Universum? – Die Antwort ist natürlich klar: nichts davon, es überleben beide, damit der Filius sein Väterchen irgendwann der lieben Frau Mama als geeigneten Begatter übersenden kann. Wissen wir schon aus dem ersten Teil und insofern bleibt die obige Frage wohl rein akademisch.
Gibt es nun auch etwas Schlechtes zu diesem Werk zu sagen, möchte der geneigte Leser wissen - und, erstaunlich aber war, ja, das gibt es: alles was die drei kinematographischen Urahnen noch an Charme und Humor aufweisen konnten, ist mit dem Arnienator wohl ins kalifornische Parlament entschwunden. Spaßvogel Schwarzenegger, der in Sachen Mimik und Sprachwitz einem der größten Komödiendarsteller aller Zeiten in kaum etwas nachstand (gemeint ist Buster Keaton), fehlt dem Film wirklich. Die heutigen Darsteller sind vielleicht kräftig und gucken böse, aber sich zehn Kilo Trauben in jeden Oberarm implantieren zu lassen und nur in debilen Halbsätzen zu kommunizieren, dazu fehlt ihnen einfach die Traute.
Der Regisseur, dessen Kreativität sich im Finden seines Namens (McG) erschöpft hat, fertigt ohne den steirische Auerochsen nur eine halbgare Collage aus Filmzitaten, wobei sich die meisten Anspielungen in solch plakativer Weise darbieten, dass es jeder Bahnhofsnutte die Schamesröte ins Gesicht treiben würde. Lustig ist das kaum und deshalb wird hier auch auf eine Aufzählung der verwursteten Filme verzichtet. Der selbstreferentielle Humor des dritten Teils schimmert nur kurz durch, mit Hilfe der fünf Bier konnte mir der Streifen dabei aber immerhin einen Lacher entlocken; recht wenig, wenn ich ihn mit seinem Vorgänger vergleiche. Ansonsten ist alles zu ernst, um wirklich zu unterhalten, und zusätzlich viel zu blöd für so viel Ernsthaftigkeit – eine Kombination, die dann eben nur unfreiwillig komisch wirkt.
Was kann den Film nun noch retten? Die Optik, ganz klar. Hier zeigt sich dann auch der wahre Ideenreichtum des McG – allerdings nicht im positiven Sinne. Fröhlich wirft er alles was es so gibt in einen Film: Hektisches Wackeln, ruhige Nahaufnahmen und weite Totalen aus den tollsten Perspektiven, simulierte Fehler im Filmmaterial und Computerspielästhetik von Verfolgerkamera bis zur klassischen isometrischen Draufsicht gibt es hier - nur bunt ist es nicht. Was sämtliche Teile des Films gemein haben, sind die verwaschenen Farben, die bei einem Endzeitszenario vielleicht nicht anders zu erwarten sind, aber hier wenigstens ganz schmuck aussehen.
Zu guter Letzt noch ein paar positive Aspekte: die Filmmusik von Danny Elfman kann sich hören lassen und die 115 Minuten vergehen auch für Nichtpyromanen erstaunlich schnell – gequatscht wird nicht viel, vielleicht sogar weniger als in einem modernen Actionspiel, und selbst Kugelhagel und Feuerbälle wechseln sich so schnell ab, dass man mit dem Gucken kaum hinterherkommt. Einen zusätzlichen Bonus gibt es dann noch dafür, endlich mal in die Fabrikationshallen von Skynet blicken zu dürfen. Für jemanden, der als Kind einen T-1000 auf dem Pyjama hatte, eben doch etwas Besonderes.
Deshalb gibt es gerade so 4 von 10 möglichen Punkten und den Auftrag es bei einer Tetralogie zu belassen.
Gruß,
Reksilat.
Edit: Kleine Überarbeitung vorgenommen. Dass Tony Scott und Denzel Washington ganz furchtbare Filme machen und die Neuverfilmung von "Pelham 123" in jeder Beziehung schlechter sein wird als das Original mit Walter Matthau ist zwar weiterhin richtig, gehört aber eigentlich nicht in den ersten Absatz.

