Sachliche Diskussionen zu Politik, Gesellschaft, Wirtschaft & Ethik.

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Beitrag27.02.2010, 11:27 - #21 Re: Soziale Probleme der Zukunft

Philipus II hat geschrieben:Naja, die ein Euro Jobs haben durchaus Vorteile:
1. Die Nichtaufnahme der Tätigkeit zeigt, dass der Arbeitslose nicht arbeitswillig ist. Damit kann man die Leistungen kürzen
2. Man gibt den dort Tätigen einen gergelten Tagesablauf
3. Man schafft Arbeitsleid und damit einen Ausgleich zu den Zahlungen
4. Man dämmt Schwarzarbeit etwas ein


zu 1) Auf jedem 1€-Jobber-Vertrag steht "Wiedereingliederungsvereinbarung". Das Ziel war, die Unternehmen können günstig den Mitarbeiter testen. Was ist der Status Quo? Caritas & Co. stellen einen 1€-Jobber nach dem anderen ein. An eine spätere Festanstellung ist von vorne herein überhaupt nicht gedacht. Das widerspricht der Intention dieser Regelung. So gesehen, sind 1€-Jobber moderne Sklaven. Wo kriege ich als Unternehmen sonst noch Vollzeitkräfte für 1 €/h her? - Und als Kunde: wer will sich schon von einem demotivierten Sklaven pflegen lassen, der zurecht nur seine Zeit abreißt?

Als Marktwirtschaftler müßte Dir auch die Subventionshutschnur hochgehen. Weil: es werden die Unternehmen bestraft, welche mehr sozialversicherungspflichtige Mitarbeiter beschäftigen. Auf diese Weise kommt es zu einem Subventionwettlauf, wer dem Amt die meisten 1€-Jobber aus dem Kreuz leiert. - Und das Stammpersonal kann man auch noch unter Druck setzen bei der nächsten Lohnrunde. Was ist das für eine Managementleistung, ein Unternehmen auf Sklavenbasis zu führen und die Ertragslage über Lohnsenkungen zu verbessern? Ich dachte man studiert, um hinterher intelligente Lösungen zu fabrizieren. - "Alle müssen am Erfolg teilhaben. Es ist der soziale Sinn der Marktwirtschaft, dass jeder wirtschaftliche Erfolg dem Wohle des ganzen Volkes nutzbar gemacht wird." - Der Erhard und v.a. seine Vordenker Müller-Armack und Röpke wären bei mir Pflichliteratur bei BWL- und VWL-Studenten. Jedes Jahr 1x.^^

zu 2) Warum nicht gleich Arbeitslager? Sei bitte konsequent.

zu 3) Wo kommt den das Postulat her?

zu 4) Ja klar. Wenn sich einer 60 € im Monat hinzuverdient, ist er aus dem Gröbsten raus. Bis Du sicher?

Mal im Ernst: Hast Du schon mal einen 1€-Job-Vertrag gelesen? Hast Du Dich schon mal mit ein paar 1€-Jobbern unterhalten? Oder entnimmst Du das Welt, Bild & Co? Selbst die Bundeskanzlerin weiß da nicht Bescheid. Beispiel: sie sagte in ihrer ersten Legislaturperiode, die Kindergelderhöhung würde ja auch H4-Beziehern zu gute kommen. Das ist natürlich Blödsinn, das wird voll angerechnet.
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Beitrag27.02.2010, 12:14 - #22 Re: Soziale Probleme der Zukunft

Philipus II hat geschrieben:Ich kann dir da nur schwer folgen. Ein Leben im Wohlstand ist halt mal nur durch Arbeit und Leistung möglich.
Ich finde es wirklich sehr bedauerlich, durch diese böse Welt zur Arbeit gezwungen zu sein, wenn ich mir meine materiellen Wünsche und z.T. auch andere Wünsche erfüllen möchte.
...

Das ist deine Meinung, und leider auch die Meinung von ungefähr 95% der Menschen unserer Kultur. Dass es aber auch Philosophen, Soziologen, Ökonomen u.v.a. gibt, die da schon völlig andere Konzepte haben, die auch funktionieren könnten, das weiß kaum einer. Dass ein Leben (im Wohlstand) nur durch Arbeit möglich ist, wurde dir, mir und eigentlich jedem in unserer Kultur eingebläut. Und außerdem stellt sich mir dir Frage, ob du Arbeit von Erwerbsarbeit trennen kannst? Ich muss mich da meinem Vorredner anschließen und dir die Frage stellen, woher du deine Thesen nimmst? Wirklich durchdacht klingt das alles nicht, eher aber "nachgeplappert" von diversen Medien (nichts für Ungut)...
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Beitrag27.02.2010, 12:37 - #23 Re: Soziale Probleme der Zukunft

@ToxedViruz
Der Missbrauch der Arbeitsgelegenheiten (so der offzielle Name, klingt doch gleich besser) ist leider ein grosses Problem.
Die Zuteilung dieser Arbeitsgelegenheiten an Unternehmen ist eine absolute Frechheit, da gebe ich dir ganz klar Recht.

Die Frage ist: Was ist die Alternative zu Hartz4?
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Beitrag27.02.2010, 22:34 - #24 Re: Soziale Probleme der Zukunft

Philipus II hat geschrieben:@ToxedViruz
...

Die Frage ist: Was ist die Alternative zu Hartz4?


Mindestlöhne.
Die würden erst mal die Belastung des Sozialhilfesystems durch diejenigen wegfallen lassen, die ihre geringen Löhne mit H4 ergänzen müssen.

Oder gleich ein anderes System einführen wie etwa das bedingungslose Grundeinkommen.
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Beitrag28.02.2010, 11:17 - #25 Re: Soziale Probleme der Zukunft

Mindestlöhne sorgen für mehr Verluste an Arbeitsplätzen. Ein Beispiel: ein im Niedriglohnsektor angestellter Friseur verdient 550€ mtl. Er hat 4 Kollegen, die ungefähr das Gleiche bekommen. Würden nun Niedriglöhne eingeführt und dem Geschäftsführer dadurch auferlegt, er müsse nun z.B. mind. 800€ mtl. zahlen, könnte er das wahrscheinlich nicht lange finanzieren und müsste Angestellte entlassen, um sein Geschäft nicht völlig schließen lassen zu müssen. Die Sache mit dem BGE ist meiner Meinung nach eine echte Alternative. Ich hab dazu schon einige Filme und Vorträge gesehen. Natürlich ist das kein Allheilmittel, aber es würde imho einiges ins Positive ändern.
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Beitrag28.02.2010, 13:22 - #26 Re: Soziale Probleme der Zukunft

Das ist falsch. Es gibt keinerlei Beleg dafür, dass die Arbeitslosigkeit durch einen Mindestlohn stiege; es gibt sogar Studien, die besagen, dass Arbeitsplätze entstehen würden. Bezieher niedriger Einkommen verkonsumieren beinahe ihren ganzen Lohn; durch Lohnsteigerungen fließt mehr in den Wirtschaftskreislauf, es wird mehr konsumiert. Ebenso wird die Armutswahrscheinlichkeit verringert; eigentlich das primäre Ziel eines Mindestlohns.
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Beitrag28.02.2010, 14:04 - #27 Re: Soziale Probleme der Zukunft

Der Mindestlohn ist ein verdammt umstrittenes Ding.
Im Endeffekt gibts das volle Spektrum an Meinungen, von Untergang des Abendlandes bis Lösung aller Probleme ;)
Ich denke daher, dass es sinnvoll wäre, diese Diskussion in einem eigenen Thema zu führen.
Wir schreddern sonst dieses Thema hier mit OffTopic...
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Beitrag01.03.2010, 09:36 - #28 Re: Soziale Probleme der Zukunft

Na dann, HIER ist das neue Thema...
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Beitrag10.03.2010, 00:05 - #29 Re: Soziale Probleme der Zukunft

(Un)Realist hat geschrieben:1. Das hat nichts mit einem Sozialstaatsprinzip zu tun und zwingt indirekt Menschen zu arbeiten. Das ist Faschismus!

Ich finde Philipus' Argument zwar auch schlecht, aber Arbeitszwang ist kein Faschismus. Auch in der DDR wurden das Recht auf Arbeit und die Pflicht zur Arbeit als Einheit angesehen.

2. Was soll das für Vorteile für den Einzelnen bringen, einen geregelten Ablauf zu haben? Wenn ich jeden Morgen an eine Imbe gehe und dort mein täglich Alkohol konsumiere, dann ist das auch ein "geregelter Tagesablauf".

Ist es nicht unbedingt. Arbeitslosigkeit macht träge und macht einen psychisch fertig.

Das Prinzip hinter den 1-Euro-Jobs ähnelt dem Vorschlag Hannelore Krafts: Menschen, die nicht mehr vermittelt werden sollen, tun etwas für die Allgemeinheit und bekommen so das Gefühl, gebraucht zu werden.

4. Das ist Quatsch. Da will ich Zahlen und Belege sehen!

Es ist doch gerade der Witz an der Schwarzarbeit, dass es keine Zahlen gibt. Sonst wäre sie ja nicht schwarz.
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Beitrag10.03.2010, 08:31 - #30 Re: Soziale Probleme der Zukunft

Mexx hat geschrieben:Als aktuelles soziales Problem sehe ich den Alkoholkonsum bei Jugendlichen, der sich in letzter Zeit drastisch erhöht hat, aber ich denke dies ist in der Zukunft unbedeutend, weil sich das von selber regeln wird und es meistens dafür Gründe gibt, die erkannt werden müssen und dann ist das in Ordnung.


Dazu weiß ich gutes Video: http://www.youtube.com/watch?v=9WT5cZHeE5s

lg
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Beitrag10.03.2010, 11:53 - #31 Re: Soziale Probleme der Zukunft

Ich glaube nicht, dass sich der Alkoholkonsum so erhöht hat. Im Schnitt wurde zumindest bei uns hier am Land früher in etwa gleich viel gesoffen.
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Beitrag10.03.2010, 19:28 - #32 Re: Soziale Probleme der Zukunft

Tequila hat geschrieben:Ich finde Philipus' Argument zwar auch schlecht, aber Arbeitszwang ist kein Faschismus. Auch in der DDR wurden das Recht auf Arbeit und die Pflicht zur Arbeit als Einheit angesehen.


Na dann eben einfach nur "schlecht". ;)

Ist es nicht unbedingt. Arbeitslosigkeit macht träge und macht einen psychisch fertig.

Das Prinzip hinter den 1-Euro-Jobs ähnelt dem Vorschlag Hannelore Krafts: Menschen, die nicht mehr vermittelt werden sollen, tun etwas für die Allgemeinheit und bekommen so das Gefühl, gebraucht zu werden.


1-Euro-Job: Ich sitze 8h am Tag in einer Toysfactory und sortiere Puzzles, Tag für Tag. Wer fühlt sich denn da gebraucht?
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Beitrag11.03.2010, 19:21 - #33 Re: Soziale Probleme der Zukunft

Tequila hat geschrieben:Ich finde Philipus' Argument zwar auch schlecht, aber Arbeitszwang ist kein Faschismus. Auch in der DDR wurden das Recht auf Arbeit und die Pflicht zur Arbeit als Einheit angesehen.

Arbeitspflicht? In der DDR? Aus welcher Quelle hast du das denn :?:
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Beitrag11.03.2010, 23:06 - #34 Re: Soziale Probleme der Zukunft

Ich hatte es eigentlich aus einem Buch, aber es steht auch in der Wikipedia:
http://de.wikipedia.org/wiki/Recht_auf_ ... R_bis_1989
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