Sachliche Diskussionen zu Politik, Gesellschaft, Wirtschaft & Ethik.

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Beitrag01.03.2010, 09:36 - #1 Alternative zu Hartz IV

Es wird immer mehr darüber diskutiert, ob Hartz IV (H4) die Menschen in die Armut trieb und was H4 mit Sozialstaatlichkeit zu tun hat. Es werden mehr und mehr Stimmen laut, dass wie H4 abschaffen und eine gerechtere und realistischere Alternative schaffen. Mir fallen jetzt spontan schon mal 3 Alternativen ein:

    1. Mindestlöhne
    2. Bedingungsloses Grundeinkommen (BGe)
    3. Regionales Geld bzw. regionale Währung(en)
Wer hält was von den Alternativen oder wer hat sogar noch mehr im Hinterkopf?

Dieser Thread entstand aus DIESEM heraus.

Gruß
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Beitrag01.03.2010, 16:53 - #2 Re: Alternative zu Hartz IV

Ich fang mal von hinten an ;)

Kannst du Punkt 3 etwas näher erklären?
Auf den ersten Blick sehe ich da keinen Zusammenhang.

Ein bedingungsloses Grundeinkommen ist eine tolle Sache.
Der Arbeitsanreiz für den einzelnen ist optimal. Dadurch lässt sich die Arbeitslosigkeit auf Kosten der Löhne (ähnlich wie im Kombilohnmodell) senken.
Gleichzeitig macht es aber auch für den Arbeitnehmer weiterhin einen Sinn, einen hohen Lohn zu fordern.
Verzessrungseffekte wie bei einem Kombilohn, der unabhängig von dem vom Arbeitgeber gezahlten Betrag konstant ist, fallen weg.
Andere Sozialleistungen wie Wohngeld, Hartz4, Sozialhilfe und Kindergeld entfallen.
Die Verwaltung wird massiv vereinfacht.
In der Theorie profitieren also alle.
In der Praxis sind die Hauptstreitpunkte dann wohl die Höhe des Grundeinkommens und die fälligen Abgaben auf das Grundeinkommen.
Ich befürchte, dass man daran scheitert, einen für alle halbwegs adäquaten Betrag festzulegen.
Aufgrund des Sozialstaatsprinzips des GG begrenzt das verfassungsrechtl. Existenzminimum den Spielraum nach unten recht deutlich:
Unter 650€ halte ich für völlig ausgeschlossen. Schließlich sind von diesen 650€ noch Wohnung und Krankenversicherung abzuziehen.
Im Endeffekt ist das bedingungslose Grundeinkommen daher für diejenigen, die nichts hinzuverdienen, keine Besserstellung.
Ob dieser Betrag überhaupt finanzierbar ist, weis ich nicht.
Inwiefern es überhaupt zulässig ist, so wenig auf die konkreten Umstände einzugehen, weis ich nicht. Eine Wohung in München kostet schließlich deutlich mehr als eine am Land.
Das nächste Problem ist die Gefahr, dass Leistungen für Kinder missbraucht werden. Dagegen gibts wohl kein Patentrezept.
Ausserdem muss eine Steuerreform durchgeführt werden, um eine angemessene Verteilung der Steuerlast zu gewährleisten.
Ich persönlich erhoffe mir ein einfacheres System mit flacherer und längerer Progressionskurve, allerdings mit deutlich höheren Spitzensteuersätzen. Ein Spitzensteuersatz von 60% ist durchaus angemessen, um von den Beziehern extrem hoher Einkommen einen angemessenen Beitrag zu erhalten.
Der Spitzensteuersatz sollte deutlich später greifen.

Mindestlöhne halte ich persönlich für keine Lösung.
Ein Mindestlohn oberhalb des marktüblichen Lohns ist nach Ansicht vieler Ökonomen eine Grundlage für Arbeitslosigkeit.
Ich persönlich bin auch dieser Meinung.
Ein Mindestlohn erhöht die Anzahl der Arbeitslosen, daher profitiert nur die Gruppe an Arbeitnehmern, die ihren Job behalten.
Damit wird die Arbeitslosenproblematik verstärkt.
Ein Mindestlohn unterhalb des Marktüblichen verhindert nur Einzelfälle, die aber auch jetzt durch die "1/3 unter dem branchenüblichen=sittenwidrig" Lösung theoretisch nicht vorkommen dürfen. In der Praxis wird es egal ob mit explizitem Mindestlohn oder mit der -1/3 Lösung Verstösse geben, die ahlt im Einzelfall erkannt, unterbunden und bestraft werden müssen. In der Durchsetzung sehe ich für den Mindestlohn ehrlich gesagt keinen Vorteil, da man auch dann Umgehungsmöglichkeiten hat.

In der Praxis gibt es nur unzureichende Erfahrungen mit Mindestlöhnen:
Der französische Mindestlohn wurde mittlerweile wieder gelockert und als Ursache von Arbeitslosigkeit von Minderqualifizierten erkannt.
Der britische Mindestlohn war bis vor der Finanzkrise recht erfolgreich, ist aber kaum vergleichbar.
1. Großbritannien hatte die letzten Jahre gute Wachsumszahlen bei allgemein niedriger Arbeitslosenquote. Ein Vergleich mit Ländern, die langsamer gewachsen sind und bereits jetzt höhere Arbeitslosigkeit haben, ist daher nicht sinnvoll
2. Der britsche Arbeitsmarkt ist seit den Reformen der eisernen Lady nicht mit dem Deutschen zu vergleichen und einer der freiesten in Europa.
Die Mindestlöhne in den USA sind extrem niedrig angesetzt und daher kaum bedeutend. Zudem ist der amerikanische Arbeitsmarkt ebenfalls anders strukturiert.

Lohnzuwäche über der Produktivitätssteigerung gab es übrigens lange Zeit auch in Griechenland, das wohl eh das Traumland eines jeden Linken sein soll. :p
Hohe Staatsquote, ausufernde Bürokratie, Korruption, schnelles Lohnwachstum, viele Staatsbeschäftige, hohe Steuerlast, sehr schnelle Tendenz zum Überwachungsstaat, mehrere Generalstreiks...
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Beitrag01.03.2010, 18:00 - #3 Re: Alternative zu Hartz IV

Zu Punkt 3: Es handelt sich hier um eine Währung, die es nur in einer bestimmten Region gibt. Somit werden Güter auch nur regional ver- und gekauft und die Wirtschaft wird in der Region gefördert. Mir fällt nur gerade auf, dass das keine Alternative für H4 ist, sorry :red: . Das Geld sollte nicht gespart werden, da es mit der Zeit an Wert verliert. Somit wird es nicht "gebunkert" und bleibt stets im Umlauf. Ein riesen Nachteil aber meiner Meinung nach: die Leute in der Region werden sehr eingeschränkt. Ich kann da zwar Milch und Honig von meinen Nachbarn beziehen, will ich mir aber etwas kaufen, was in meiner Region nicht angeboten wird, muss ich auch wieder auf das "normale" Geld zurück greifen. Aber wie gesagt, mit einer Alternative hat das nichts zu tun. Keine Ahnung warum ich das im ersten Post mit aufgeführt habe.

Philipus II hat geschrieben:In der Praxis sind die Hauptstreitpunkte dann wohl die Höhe des Grundeinkommens und die fälligen Abgaben auf das Grundeinkommen.
Ich befürchte, dass man daran scheitert, einen für alle halbwegs adäquaten Betrag festzulegen.

Naja. Wie viel Geld erhält jetzt ein H4-Empfänger im Schnitt?

    ca. 345€ Stütze
    ca. 250€ Miete
    dann noch Krankenversicherung, Sozialversicherung usw.
da sind wir bei ungefähr 800€-900€. Da man aber davon eigentlich nicht in Würde leben kann, sollten es auf jeden Fall mehr sein. Denn wenn man BGe erhält, zahlt man das dann ja alles selber:

    Miete 250€
    KV ca. 350€
    Lebenserhaltungskosten ca. 500€
    sonstige Versicherungen nochmal ca. 150-200€
Das macht unterm Strich fast 1500€! Wie hoch die Summe dann in der Praxis sein wird, das kann weder ich noch sonst wer hier im Board beurteilen. Aber eins steht imho fest: wenn BGe, dann muss es angemessen sein, denn sonst brächte es keinem was oder wäre sogar nach nachteiliger als jetzt H4. Was meinst du mit Abgaben?
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Beitrag01.03.2010, 18:17 - #4 Re: Alternative zu Hartz IV

Mit Abgaben meinte ich Sozialvericherungsabgaben, also hauptsächlich die gesetzliche Krankenversicherung.
Ein Grundeinkommen wird definitiv keine Verbesserung für diejenigen sein, die nur diese Leistung beziehen, das ist ja auch nicht der Zweck. Es soll maximal das Existenzminimum abdecken, und das wird in etwa in dem von mir genannten Bereich fallen.
Profitieren werden vom Grundeinkommen all diejenigen, die einen Arbeitsplatz haben.

Für die GKV habe ich einen Satz von 150€ eingerechnet, das dürfte realistisch sein. Für die 200€ Miete ist die Auswahl als Alleinstehender aber überschaubar.
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Beitrag01.03.2010, 18:21 - #5 Re: Alternative zu Hartz IV

150€ für die gesetzl. KV!? Wie viel zahlst du jetzt als Arbeitnehmer? Man zahlt ungefähr 130-150€, allerdings sind das doch 50% der eigentlichen Summe, oder? Die andere Hälfte zahlt dein Arbeitgeber. Wenn du nun aber keine Arbeit hast, musst du 100% der KV zahlen - das sind ca. 300€.
Philipus II hat geschrieben:Ein Grundeinkommen wird definitiv keine Verbesserung für diejenigen sein, die nur diese Leistung beziehen, das ist ja auch nicht der Zweck.

Was meinst du damit?
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Beitrag01.03.2010, 18:30 - #6 Re: Alternative zu Hartz IV

Diejenigen, die ausschließlich vom Grundeinkommen leben, werden nicht mehr haben, als sie bisher an Leistungen bekommen.
Profitieren werden all diejenigen, die arbeiten, da man ja beliebig viel hinzuverdienen darf.
Der Zweck ist es eben, die Hürden für einen Einstieg in den Arbeitsmarkt zu senken ohne den Lohndruck zusätzlich über Lohnsubventionen zu steigern.
Eine Lohnsubvention wie der Kombilohn ist gefährlich:
Erhalte ich als Vollzeitniedriglohnkraft 1000€ als Kombilohn, ist es mir egal, ob davon der Arbeitgeber 500€ bezahlt oder 400€.
Ich habe daher kein Interesse an höheren Löhnen.
Ein solches Kombilohnmodell ist daher gefährlich, da es den Marktmechanismus, diesmla zu Gunsten des Arbeitgebers, ausser Kraft setzt.

150€ GKV Beitrag halte ich nicht für vollkommen unrealistisch.
Kann mal wer nachschaun, was man aktuell mit 700€ Brutto an Krankenversicherungsbeiträgen bezahlt?
Zudem trägt ohne Reform des Systems der geteilten Sozialversicherungsbeiträge (siehe den anderen Thread) ja der Staat den Arbeitgeberanteil.
Man könnte das aber auch, wie nebenan diskutiert, verändern. Ändert in der Summe eh nichts...
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Beitrag01.03.2010, 19:02 - #7 Re: Alternative zu Hartz IV

Philipus II hat geschrieben:Diejenigen, die ausschließlich vom Grundeinkommen leben, werden nicht mehr haben, als sie bisher an Leistungen bekommen.
Profitieren werden all diejenigen, die arbeiten, da man ja beliebig viel hinzuverdienen darf.

Wenn man dies denn "darf". Da könnte es auch eine Entgeldgrenze geben. Finanzierungsmodelle sind mir 2 bekannt, die ich aber eigentlich nicht erläutern will, da das ganz schön umfangreich ist. Diejenigen, die ausschließlich vom BGe leben, sollten schon was davon haben. Denn sonst würde es an den jetzigen Verhältnissen nicht viel ändern, außer dass man zu keiner Arbeit mehr gezwungen wird. Man sollte nicht in "Saus' & Braus'" leben können, das ist klar. Aber man sollte imho auch komplett auf Arbeit verzichten können! Warum sollte man nur dann angemessen und in Würde leben dürfen, wenn man arbeiten geht? Warum sollte Arbeit an sich unser Leben nach wie vor in solch hohem Maße bestimmen. Ich finde, dass das BGe mehr Effekte haben sollte, als nur "die Hürden für einen Einstieg in den Arbeitsmarkt zu senken"? Warum sollte nicht auch gleich ein Umdenken, weg von Erwerbsarbeit, stattfinden. Selbstverständlich sollen Menschen noch arbeiten gehen, aber nicht um sich und ihren Kindern ein adäquates Leben zu ermöglichen, sondern eher um sich selbst zu verwirklichen! Arbeit und Geld bzw. Arbeit und ein erfülltes Leben sollten getrennt verstanden werden, aber das nur am Rande.
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Beitrag01.03.2010, 19:11 - #8 Re: Alternative zu Hartz IV

Ich persönlich lehne diesen Gedanken vollständig und aus recht tiefer Überzeugung ab.
Ein Verzicht auf Arbeit schliesst auch den weitgehenden Verzicht auf die hergestellten Güter und Dientsleistungen ein.
Warum sollte jemand, der nichts leisten will, etwas bekommen? Warum muss derjenige, der etwas leisten will, noch mehr abgeben?
Den Abschied von der Erwerbsarbeit halte ich für den feuchten Traum aller Linken- das wird aber nicht funktionieren.
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Beitrag01.03.2010, 19:32 - #9 Re: Alternative zu Hartz IV

Was bedeutet für dich "Arbeit" und "leisten"? Und, wenn du monatlich ohne etwas dazu zu tun, Geld erhalten würdest, würdest du dann irgendwann dennoch arbeiten oder lieber dein Leben lang nicht tun? Ich kenne eine Umfrage: es wurden Leute zu diesem Thema befragt. Die Antworten waren interessant:

    o 80% der Befragten gehen davon aus, dass niemand mehr arbeiten gehen würde, wenn sie BGe erhalten würden!
    o aber: 60% aller sind der Meinung, selbst dennoch arbeiten zu gehen
    o 30% würden arbeiten gehen, allerdings weniger und sich mehr auf ihr Leben/ ihre Familie & Freunde u.d.g. konzentrieren
    o und 10% würden kaum oder gar nicht mehr arbeiten
Wie ist das mit dir selbst? Könntest du 50 Jahre lang nichts tun!?
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Beitrag01.03.2010, 21:26 - #10 Re: Alternative zu Hartz IV

Ich würde wohl auswandern, sobald mein Studium hier fertig ist.
Die Steuerlast will ich nicht schultern, um faule Säcke durchzutüttern.
Ich will nach dem Studium ehrlich gesagt arbeiten, und zwar gerne etwas mehr.
Mit einer 60h Woche habe ich kein Problem. Dafür will ich gut verdienen.

Im Endeffekt können wir unser Wohlstandsniveau nur halten, wenn wir den Einsatz gleich halten. Die Variante steigender Wohlstand wie in einer Marktwirtschaft bei weniger Arbeitseinsatz funktionierts icher nicht. Zudem steigt die Arbeitsproduktivität in einem Marktsystem weit schneller.
Je kapitalistischer die Ordnung, desto schneller arbeiten wir weniger :D
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Beitrag01.03.2010, 22:42 - #11 Re: Alternative zu Hartz IV

Philipus II hat geschrieben:Ich würde wohl auswandern, sobald mein Studium hier fertig ist.
Die Steuerlast will ich nicht schultern, um faule Säcke durchzutüttern.
Ich will nach dem Studium ehrlich gesagt arbeiten, und zwar gerne etwas mehr.
Mit einer 60h Woche habe ich kein Problem. Dafür will ich gut verdienen.

Im Endeffekt können wir unser Wohlstandsniveau nur halten, wenn wir den Einsatz gleich halten. Die Variante steigender Wohlstand wie in einer Marktwirtschaft bei weniger Arbeitseinsatz funktionierts icher nicht. Zudem steigt die Arbeitsproduktivität in einem Marktsystem weit schneller.
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Aber warum denn "weniger Arbeitseinsatz"? DU hast doch eben selbst zugegeben, dass du sogar 60h/Woche arbeiten würdest. Warum denkst du, dass du da der Einzige unter vielen bist? Und warum ist man "faul", wenn man nicht arbeitet? Und selbst wenn, es ist jedermanns Recht, zu arbeiten. Warum hat man nicht auch das Recht, nicht zu arbeiten? Oder anders: ist es nicht völlig in Ordnung, wenn Leute wie du gern arbeiten und andere eben nicht so gern? Du kannst doch nicht andere dafür verantwortlich machen, dass du arbeitest und sie nicht (im Falle vom BGe). Immerhin kannst du ja jederzeit nicht arbeiten. Du hast ja die freie Wahl, so wie jeder. Wenn du sie nicht in Anspruch nimmst, ist das völlig ok! Aber es ist auch ok, dies nicht zu tun. Das ist meine Meinung. Und wie ein Marktsystem funktioniert, das bekommt man beim Studium sicher beigebracht, genau so, wie man vor vielen Jahren im Geounterricht beigebracht bekommen hat, dass die Erde eine Scheibe ist. ;)
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Beitrag01.03.2010, 22:53 - #12 Re: Alternative zu Hartz IV

Wenn ich mehr Steuern zahle, als unbedingt sein müsste, sinkt die Motivation rapide. Ich will arbeiten und von dem Erfolg profitieren.
Die Auswahl zwischen nicht arbeiten und arbeiten, aber keine marktübliche Gegenleistung zu bekommen, ist ein massiver Einschnitt in meine Freiheit.
Es gibt dann 3 Möglichkeiten
-"Steuersparmodelle"
-Auswandern
-Faulenzen
Ich arbeite doch nicht, um Arbeitsunwillige über das Existenzminimum hinaus zu versorgen!
Jeder darf gerne nichts arbeiten- dann soll er aber auch die Konsequenzen selbst tragen.
Wenn du das als Wahlfreiheit siehst, gib mir bitte die Option "Steuern nur für nichtsoziale Ausgaben". Dann hau ich mein Geld wenigstens selber raus ;)
Ganz ehrlich- ich wär dann wohl weg.
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Beitrag01.03.2010, 23:13 - #13 Re: Alternative zu Hartz IV

Das können die 80% wohl selber nicht ernstlich glauben, ich kenne viele die sich in Berufen die sich Finanziell kaum lohnen sich langsam totarbeiten(Tod durch Herzinfarkt mit 60 steht zu erwarten, morgens um 5 losfahren und abends um 10 bis 12 heimkommen[5-6 Tage die Woche! und es gibt bestimmt noch welceh mit schlechteren Arbeitszeiten] muss ja sehr viel spaß machen...)*

Ich würde eher sagn die Lebeserwartung geht hoch und mehr Arbeiten weniger. Also statt 2 Leuten die 50h< arbeiten 5 Leute die um die ~20h arbeiten und dafür den Krankenkassen billiger kommen. Was den Gesamten System zuträglich sein wird, denn die Krankenhäuser sind überbealstet und dadür unterfinanziert.

Des weiteren haben wir hier einen Fachkräftemangel den man durch Hartz4 sicher nicht deckt, das zumindest dürfte jedem klar sein.

Und mal ganz ehrlich das 3. Reich hat prima funktioniert bis Adi die Sicherungen durchgebrannt sind und er alle umbringen wollte die wie er aussehen.

*Mein extrembeispiel wirds allerdings schaffen denn es hat den Mist vorm Herzinfarkt abgebrochen. Mehr kann ich aus Datenschutzgründen nicht sagen.
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Beitrag01.03.2010, 23:25 - #14 Re: Alternative zu Hartz IV

Auch wenn es nur am Rande hier Thema ist:
Die Wirtschaftspolitik des dritten Reiches gilt als gescheitert.
Der Staat hat nachfrageorientiert agiert und Rüstungsgüter und Bauten nachgefragt. Die daraus entstehenden Schulden waren beachtlich. Die Inflation konnte nur durch Preisdiktate und Bezugsscheine gestoppt werden. Der Schwarzmarkt war alltäglich.
Der techn. Fortschritt wurde durch den Ausschluss einer ganzen Bevölkerungsgruppe gebremst.
Die internationale Isolierung machte den Handel immer schwerer.
Die Korruption ist von Jahr zu Jahr mehr ausgeufert. Die Führungsschicht hat sich selbst massiv bereichert. Die Bürokratie stieg immer weiter.
Das Arbeitskräftepotential wurde ineffizient (Ausschluss eines Bevölkerungsteiles vom Erwerbsleben, Zwangsarbeit) genutzt.
Was will man noch mehr im Bereich der Wirtschaftspolitik falsch machen? :head:

Das Wohlstandsgefälle 20 Jahre später zwischen den USA und dem Reich wäre wohl ähnlich wie 1989 zur DDR gewesen, eher noch schlimmer...
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Beitrag02.03.2010, 06:44 - #15 Re: Alternative zu Hartz IV

Philipus II hat geschrieben:Auch wenn es nur am Rande hier Thema ist:
Die Wirtschaftspolitik des dritten Reiches gilt als gescheitert.

Eben ab dem Punkt wo man mit dem Willen brechen angefangen hat, das wieder aufbauen um als Helfer da zu stehen hat prima geklappt, sonst hätte man seine Schlägertruppe nicht bekommen. Heute macht man nur das Willen brechen, Hartz4, und das züchtet die nächste Hartz4 Generation.

Hartz4: du bist Dreck und unter diese Stufe kannst du nicht fallen, aber mehr wirst du auch nicht mehr bekommen, was aber immerhin ein Fortschritt zum direkten Vorgängersystem ist wo man "betteln" musste. Durch diesen Drill zur Unselbstständigkeit bekommt man zwar die Genugtuung einer Schicht die offfensichtlich unter einem steht aber keinen der Zukunftig wieder arbeiten wird, und hat mans beim Papa nicht geschafft, schafft mans vielleicht beim Sohn. :kaffee:

Ich würde sagen das mindestens jeder 2. oder 3. Hartz4 Antrag einen Dauerarbeitslosen produziert.

kurzer Zusammengefasster Vergleich BGE/Hartz4:
Hartz4: Arbeiten bringt Risiko mehr Geld und Ärger
BGE: Arbeiten bringt definitiv zumindest etwas mehr Geld, verlieren kann man nichts

jetzt wird vielleicht auch deutlicher wie ich den den Bezug aufs 3. Reich meinte.
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Beitrag02.03.2010, 10:49 - #16 Re: Alternative zu Hartz IV

Philipus II hat geschrieben:Wenn ich mehr Steuern zahle, als unbedingt sein müsste, sinkt die Motivation rapide. Ich will arbeiten und von dem Erfolg profitieren.

Wer hat etwas davon gesagt, dass du "mehr Steuern zahlen" musst? Sind dir Finanzierungsmodelle für das BGe bekannt? Also ich glaube, dass du nicht mehr Steuern zahlen musst. Das bleibt - ungefähr 50% deines Lohnes gehen für Steuern drauf, das ist jetzt nicht anders.
Philipus II hat geschrieben:Die Auswahl zwischen nicht arbeiten und arbeiten, aber keine marktübliche Gegenleistung zu bekommen, ist ein massiver Einschnitt in meine Freiheit.

Das musst du mir näher erklären? Macht Arbeit frei? Und was ist deiner Meinung nach eine "marktübliche Gegenleistung"?
Philipus II hat geschrieben:Ich arbeite doch nicht, um Arbeitsunwillige über das Existenzminimum hinaus zu versorgen!

Das musst du doch gar nicht. Das hab ich doch in meinem letzten Post schon erklärt: wenn du arbeiten willst, dann ist das doch völlig ok. Aber Diejenigen, die nicht arbeiten, sind doch nicht Schuld daran, dass du arbeiten möchtest. Das Eine hat doch mit dem Anderen nichts zu tun. Für mich klingt das so, als wählst du freiwillig die Arbeit, bist aber gleichzeitig neidisch auf die, die sich gegen Arbeit entscheiden. Kann es vielleicht sein, dass du eventuell doch nicht 60h/ Woche arbeiten würdest ;) ?
Philipus II hat geschrieben:Jeder darf gerne nichts arbeiten- dann soll er aber auch die Konsequenzen selbst tragen.

Welche Konsequenzen denn? Hunger, Leid, ein Leben in Unwürde? Das hat nichts mit Sozialstaatlichkeit, Demokratie und Menschlichkeit zu tun!

Darf ich dir etwas unterstellen: deine Meinungen klingen für mich so, als kennst du dich mit Marktwirtschaft, Ökonomie und auch Politik recht gut aus (BWL?). Aber leider siehst du das Ganze nur von einer Seite. Nämlich der, die dir während des Studiums (?) beigebracht wurde. --> Wenn dem nicht so ist, möchte ich mich im Vorfeld entschuldigen. Hast du schon einmal über einen längeren Zeitraum ( 1/2 oder 1 Jahr) H4 erhalten?
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Beitrag02.03.2010, 11:52 - #17 Re: Alternative zu Hartz IV

Ich würde gerne ein Finanzierungsmodell für ein Bürgergeld von 1500€ ohne Steuererhöhungen sehen ;) Ich kann mir absolut nicht vorstellen, dass das funktioniert.
Mehrausgaben benötigen immer auch Mehreinnahmen oder wachsende Verschuldung.
Ich sehe bereits bei einem Bürgergeld von 700€ Finanzierungsprobleme.

Ich will arbeiten, um Geld zu verdienen, um mir meine Wünsche zu erfüllen, meinen Nutzen zu maximieren.
Durch ein solch hohes Bürgergeld sinkt der eigene Nutzen und die Glücklichkeit eines Leistungsträgers in jedem Fall. Kommen dann noch Steuererhöhungen, wirds böse.
Ich lehne sämtlichen Mehrausgaben des Staates für soziale Zwecke pauschal ab. Ich will einfach keinen Euro an Steuern aufbringen, um faule Leute zwangsweise zu unterstützen.
Daher sinkt meine Leistungsbereitschaft durch weitere Steigerungen der Sozialleistungen.

Eine marktübliche Gegenleistung ist die Summe aller Leistungen des Arbeitgebers. Davon will ich dann natürlich so wenig Abzüge wie möglich haben.

Und ja, ich bin BWL Student ;)
Mein jetziges Einkommen ist daher sehr überschaubar. Dinge wie Fortgehen müssen auch jetzt erarbeitet werden.
Ich persönlich würde daher das Bürgergeld während des Studiums einstreichen und mich danach verdrücken...
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Beitrag02.03.2010, 12:54 - #18 Re: Alternative zu Hartz IV

Philipus II hat geschrieben:Und ja, ich bin BWL Student ;)
Mein jetziges Einkommen ist daher sehr überschaubar. Dinge wie Fortgehen müssen auch jetzt erarbeitet werden.
Ich persönlich würde daher das Bürgergeld während des Studiums einstreichen und mich danach verdrücken...

Da dann. Ich hoffe es denken nicht alle so wie du. Denn dann würde eigentlich kein System in irgendeiner Weise funktionieren, wenn jeder nur versucht, seinen eigenen Arsch an die Wand zu kriegen. Mich würde dennoch interessieren, ob du je H4 - und die damit verbundenen Forderungen - in Anspruch genommen hast?
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Beitrag02.03.2010, 13:00 - #19 Re: Alternative zu Hartz IV

ne, meine Eltern arbeiten beide...
Allerdings hat das Studentenleben nicht nur Annehmlichkeiten.
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Beitrag02.03.2010, 13:14 - #20 Re: Alternative zu Hartz IV

Das musst du mir nicht sagen, ich hab auch mal studiert, und das viele viele Jahre. Ich will dir deine Meinung nicht nehmen und möchte auch nicht behaupten, dass sie falsch sei. Aber versuch mal über diese nachzudenken. Vielleicht kommt sie dir ja irgendwann mal doch "komisch" vor.

Und wieder bestätigt sich, dass Menschen noch so intelligent, noch so gebildet sein können - wenn sie sich noch nie in einer prekären Lage befunden haben, werden sie niemals mit Bestimmtheit wissen können, wie sich andere Menschen in dieser Lage fühlen...
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