Im Kino gewesen? Geweint? Gelacht? Das Bedürfnis gehabt, mit Nachos und Kronkorken zu schmeißen? - Hier sollen Eure Kurzkritiken aktueller Titel und sonstige Erlebnisse aus der Welt der Popcornmacher und Kartenabreißer rein, denn nicht jeder Film braucht einen eigenen Thread.
Das ganze soll aber möglichst nicht in einen Chat ausarten, denn dann gehen die gehaltvolleren Beiträge verloren. Wer also nur "Den fand ich doof!" beisteuern kann, der sollte versuchen das in eine längere Tirade auszubauen oder eben einfach die Finger von der Tastatur lassen.
Gruß,
Reksilat.
Filmkritiken auf freibrief.net:
Spoiler:
Tannöd - Nach einem Roman von Andrea Maria Schenkel
Handlung:
Irgendwo im Bayern der 50er Jahre wird eine Familie auf ihrem Bauernhof von einem Unbekannten komplett ausgelöscht. Im Dorf wächst Gras über die Sache bis zwei Jahre später die längst in die große Stadt ausgewanderte Kathrin (Julia Jentsch) wegen des Todes ihrer Mutter zurückkehrt und nun - obwohl scheinbar unbeteiligt - Nachforschungen zu diesem Fall anstellt.
Eine deutsche Verfilmung eines deutschen Erfolgsromans. Ich weiß nicht, ob man sich jetzt darüber freuen soll, dass die deutschen Verleiher einen hiesigen Bestseller mal nicht ins TV abgeschoben bzw. sich von internationalen Produzenten wegschnappen lassen haben, oder ob man über die Einfallslosigkeit bei der Themenfindung jammern und wehklagen soll. - Egal, ich hab ihn mir ohne vorherige Lektüre angeguckt und der Streifen war auch leidlich spannend, hatte aber wie so viele Buchadaptionen den Nachteil, dass zuviel erzählt werden muss und die Charakterisierung der Figuren dabei auf der Strecke bleibt.
Immerhin wird "Tannöd" nicht hektisch und die regelmäßigen, handlungsbedingten Sprünge zwischen Vergangenheit und Gegenwart werden klar und erkennbar umgesetzt, ohne sich in schlechten Verfremdungseffekten zu verlieren. Die nervige Erzählstimme aus dem Off verlässt den Film Gott sei dank nach wenigen Minuten wieder. Spannung wird leider nicht durch die Geschichte, sondern vor allem durch wenig Licht und viel dunklen Wald erzeugt. Monica Bleibtreu holt in ihrer letzten Rolle das beste aus ihrer Figur (merkwürdige Alte, die komische Sachen erzählt und von allen gemieden wird) heraus, während Julia Jentsch im Verlauf der Erzählung gemeinsam mit ihrer Figur immer apathischer wird. Der Rest der Dorfgemeinschaft guckt grimmig bis verschroben und eigentlich ist kein Charakter dabei, den man auch nur annähernd sympathisch finden könnte.
Wer den "Tatort" mag, aber mal einen ohne Kommissare und das übliche Arrangement sehen möchte, der ist hier gut aufgehoben. Für alle anderen bietet der Film vor allem optisch zu wenig interessantes, um den Ausflug auf die große Leinwand zu rechtfertigen.


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