Das die Bundesregierung selbst ein halbes Jahr nach dem offenen Ausbruch der Krise immer noch ein Hort des marktradikalen Lobbyismus und nicht bereit zum Umdenken ist, zeigt die Zusammenstellung des Lenkungsausschusses für das neue, geplante 100-Mrd-€-Paket. In der Financial Times Deutschland findet sich die Aufstellung der 8 Mitglieder, welche die Bundesregierung bei der Vergabe von Großbürgschaften und Krediten für in Schwierigkeiten geratene Unternehmen beraten soll: "...der frühere Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie, Michael Rogowski, der Chef der Industriegewerkschaft BCE, Hubertus Schmoldt, der ehemalige niedersächsische Wirtschaftsminister Walter Hirche, der frühere Wirtschaftsstaatssekretär Alfred Tacke, die Unternehmer Jürgen Heraeus und Nikolaus Knauf, der frühere Schering-Chef Hubertus Erlen und der Bonner Ökonom Martin Hellwig werden. Auf diese Liste haben sich Finanz- und Wirtschaftsministerium verständigt."
Begleitet werden diese Herren durch Expertisen der Unternehmensberatung PriceWaterhouseCoopers, welche entweder ihre Distanzlosigkeit oder Unfähigkeit zuletzt bei der SachsenLB bewiesen hat.
Kann man sich einen einseitiger besetzten Lenkungsausschuß vorstellen? Wieder nur besetzt mit Persönlichkeiten, von denen im Vorfeld der Krise kein warnendes Wort zu hören war und die immer noch die alten Parolen vor sich her tragen. Wenn die Bundesregierung die Protagonisten der Krise zu deren Bewältigung anheuert, dann erinnert das doch stark an den Eklat mit Tietmeyer. Wird man aus Schaden nicht klug oder ist Klugwerden im Sinne der Bevölkerung gar nicht erst beabsichtigt? Vertrauensbildende Maßnahmen sehen jedenfalls anders aus! Tja, wie lautete noch einmal das Max-Liebermann-Zitat...?
