Vor einigen Wochen machte ich mich auf die Suche nach einem neuen Mobiltelefon, da der Akku meines K800i versagte (defekt) und mein N70 mit einer Sprachqualität aufwartet, die es als Telefon leider kaum benutzbar macht (vermutlich defekt).
Voraussetzungen:
-Vernünftige Verarbeitungs- und Materialqualität
-Musikplayer
-kompakte Abmaße (k800 und n70 sind jeweils Unggetüme, v.a. wegen der Kameraklappen.)
-erweiterbares Betriebssystem (also zwingend Symbian + S60/S40)
-Gutes Preis/Leistungs V.
-Kamera und der übliche Schnickschnack wie Bluetooth, UMTS
IPhone? Nein, Danke.
Das IPhone hat unmengen KO-Kriterien:
Technische Ausstattung: Schwache Cam ohne Videofunktion, Speicher nicht nachrüfsbar, völlig verkorkstes Bluetooth, kein Flash, zunächst kein UMTS ...
Beschränkungen: Ich will installieren, was ich will und lasse mich nicht von künstlichen Beschränkungen bevormunden; T-Mobile Zwang
Preis: Das Iphone wird seinem Preis nichtmal im leistesten Ansatz gerecht
Bedienung: Es ist mit einer Hand kaum zu bedienen, fummelige Bildschirmtastatur
Optik: V.a. von hinten sieht es einfach eklig klobig aus
Kapazitiver Touchscreen: Reagiert deutlich feinfühliger als das 58XM Display, kann aber nur mit dem Finger bedient werden, Zeichnen, Handschrifterkennung usw. fallen also auch flach.
Fazit: Ich kann den Hype ums Iphone nicht nachvollziehen und nein, ich bin nicht bloß neidisch, sondern habe eben andere Vorlieben.
Nokia 5800 Express Music

Lieferumfang:
Das Nokia kommt in einem Pappkarton vernünftiger Größe mit massig Inhalt:
Akku, Energiespar-Ladegerät, Stereo-Headset (mies), Video-Ausgangskabel (praktisch), Micro-USB-Datenkabel, 8 GByte microSDHC-Speicherkarte (hervoragend), Stift, Tasche, Tisch-Halter, Plektrum mit Trageriemen (äußerst praktisch), Ersatzstift, Mini-DVD, Bedienungsanleitung
Das Rundum-Sorglos Paket kann also sofort in Betrieb genommen werden.
Technik
-3,2", 360*640, 16:9, 24Bit, analog resistives Display
-1350 mAH Akku
-3,2MP mit AF, Carl Zeiss Fertifiziert hinten, ohne Schutzmechanismus (passable Schnappschüsse, im dunklen arg Körnig, Videos beeindruckend)
-0,3MP VGA Videotelefonie-FrontCam
-200Mhz ARM CPU + 128MiB RAM + Grafikprozessor (afaik)
-UMTS bis 3,6MBit/S
-BT2.0
-Highspeed USB 2.0 (7/3,5 MB/S (R/W))
-GPS Modem (Kostenlose Standordbestimmung)
-Lagesensor, Oberfläche kippt mit dem Telefon
-Lichtsensor, Helligkeit des Display passt sich Kontext an
-Abstandssensor, am Ohr geht das Display aus
-Symbian 9.4 mit S60 v5
-3,5mm Klinke(! für herkümmliche Kopfhöhrer, ohne nervige Adapter)
-micrsoSD-Slot (!) bis 16 GiB
Haptik
Eins muss ich meinem K800 lassen, die Verarbeutung und Materialwahl war schon äußerst Spitze. Selbst würfe über mehrere Meter gegen Wände, Stürze aus luftigen Höhen
haben nie Schäden hinterlassen. Das 58XM ist zwar solide Verareitet, ist und bleibt aber ein Plastik-Bomber, der beim knuddeln auch mal zurückknarzt.
Die Akkuabdeckung ist schon ziemlich bescheuert, sie wird früher oder später kaputt gehen, da man sie mit Gewalt aus der Rückseite reißen muss.
Speicher- und v.a. SIM-Karte sind nicht ganz einfach aus den Slots zu pulen, dafür halten die Abdeckungen schön dicht. Abgesehen vom Touchscreen, der Zugriffsleiste und den drei Shortcut-Knöpfen auf der Front, hat das Handy an der rechten Seite einen zweistufigen Kameraauslöser, die Lautstärketasten sowie die Tastensperre, die ich loben möchte:
Beim Iphone muss man über den Bildschirm wischen um einen virtuellen Schieber zu entriegeln, beim Omnia (WinMobile) ist es afair am unschönsten gelöst. Der griffige, kleine Schiebeknopf des 58XM ist schnell erfühlt und bedient. Ein Touchscreen macht sich in der Hosentasche viel ehr selbstständig als herkömmliche Tasten, daher ist hier die Tastensperre recht wichtig und im Falle des 58XM bestenst umgesetzt. Der Bildschirm schaltet sich sofort aus bzw ein, auf eine Standbyuhr muss versichtet werden, das der Screen einfach zu viel Akku frisst. Wie das bei IPhone, Omnia, Touch HD &Co gelöst ist, weiß ich nicht.
Display:
Das Display ist imho in all seinen Eigenschaften hervorragend. Die Auflösung von 360*640 Pixeln über "nur" 3,2" bietet eine enorme Pixeldichte, wodurch Kanten nicht mehr wirklich zu erkennen sind. Das 16:9-Format erlaubt eine elegant schmale Bauweise des Handys (Einhandbedienung) und trotzdem große Bildfläche, va. bei Filmen. Es ist strahlend Hell einstellbar und hat einen niedrigen Schwarzwert und ordentlich Blickwinkel. Die 16M Farben sind sehr kräftig.
Bedienung ohne Tasten
Ich stand dem Touchscreen sehr skeptisch gegenüber, v.a. wegen meiner Erfahrungen mit WinMobile auf dem Omnia fürchtete ich, alles würde nun doppelt so lange dauern wie vorher und es würde mich bald nerven, ständig den Stylus aus dem Gehäuse zu ziehen. Doch die Oberfläche S60 5th ist hervorragend gelungen, zusammen mit dem vergleichsweise schmalen Display lässt sich das Telefon problemlos mit einer Hand bedienen, die virtuellen Tasten haben großzügige Ausmaße, selbst Scrollbalken verfehlt man selten. Das Menu ist zwar nicht superflink wie beim IPhone, reagiert aber angenehm schnell.
Die drei Tasten am unteren Bildschirmrand sind nützliche Shortkeys, werden mit der kommenden Firmware V21 aber überflüssig.
Grün: kurz: letzte Anrufe; lang: Spracherkennung; plus kontextsensitiver Funktionen
Weiß: kurz: Menue; lang: Taskmanager
Rot: kurz: Startbildschirm; lang: Programm beenden; plus kontextsensitiver Funktionen
Was ich nicht mehr missen möchte: Das Handy vibriert beim drücken einer Taste. Damit ist man auf dem Touchscreen wesentlich selbstbewusster unterwegs und das Gefühl ist weniger befremdlich. Es ist schließlich etwas anderes, anstatt auf Tasten mit spürbarem Druckpunkt auf einer Plastikfläche herumzifingern.
Leider ist kein Multitouch möglich, obwohl das Display die Voraussetzungen erfüllt. Das ist aber auch nur bei Spielen und vlt. dem surfen von Bedeutung. Sämtliche bisherige Java- und S60-Spiele sind jedenfalls kaum bedienbar, da man immer nur eine vituelle Taste drücken kann.
Außerdem nimmt der Druckpunkt mit der Auflagefläche zu, mit dem Fingernagel reicht also eine minimale Berührung, mit dem ganzen Daumen muss man schon kräftig drücken.
Menü, Struktur, Eingabe
Zwar ebenfalls S60, doch logischer Strukturiert als beim alten N70. Auch egal, da man das Menü völlig nach eigenen Wünschen anordnen und verschachteln kann. Alle Knöpfe problemlos mit dem Finger zu erwischen. Programme sind recht einheitlich designed, sodass man sich flink zurechtfindet. Highlight sind die Texteingabemöglichkeiten:
-alphanumerische Tastatur, wahlweise mit T9
-Handschrifterkennung: funktioniert out-of-the-Box hervoragend, kann zudem "trainiert" werden
-kleine QWERTZ: Optimal für Plektrum und Stylus
-große QWERTZ: erstreckt sich über fast den gesamten Bildschirm, so macht SMSen richtig Laune
Zu kurz gekommen ist der Startbildschirm. Man kann entweder 4 Freunde inkl. SMS und Telefonverlauf oder 4 Shortcuts zu Programmne und Funktionen einblenden. Beides nutzt den zur Verfügung stehenden Platz schlecht aus. Auf Videos vom N97 und Omnia HD ist aber ein mit Widgets bespickter Desktop, ähnlich WinMobile zu sehen, welcher mit Sicherheit etwa in Firmware 30.x fürs 58XM nachgerüstet wird.
Erweiterbarkeit
Ein großer Pluspunkt. Aus dem Netz kann man sich massig Games, Tools und Themes für das Handy ziehen oder mithilfe des freien OpenSource SDK selber Hand an den Code anlegen.
Leider gibt es, scheinbar schon länger, in sämtlichen je erschienen S60 3th und 5th-Handys einen Bug, der das Installieren von Software aufgrund eines Zertifikatfehlers unmöglich. In dem Fall muss das Handy einen Hardreset durchmachen und die Zeitzone vorübergehend auf Hongkong eingestellt werden, dann funktioniert alles wie es soll und auch die Zeit kann zurückgestellt werden. Bei mir trat der Fheler nach Wenigen Wochen erneut auf.
Vor dem Hardreset kann man sämtliche Daten und Einstellungen mit der überaschend guten PC-Suite sichern und anschließend einspielen und alles ist wie vor dem Reset.
Akkulaufzeit
Andere Reviews sprechen von einer recht ordentlichen Akkulaufzeit, ich kann das bisher kaum beurteilen. Manchmal kommt es mir vor, als würde der Akku niemals leer werden, manchmal kommt es mir erschreckend schnell vor. Ich vermute, v.a. die Musikwiedergabe (mit Kopfhörern) frisst mehr Strom als sie sollte.
Fazit
Erster Touchscreen unter Nokias Fahne, Premiere für Symbian 9.4 und S60 V5, trotzdem erstaunlich wenige Kinderkrankheiten.
Mängel sind meist Details, v.a. die flotte Bedienung mit einer Hand auf dem schmalen Gerät mit durchdachter Oberfläche macht einfach Spaß. Wer nicht mehr als 300€ ausgeben und auf Tasten verzichten kann, für den ist das Gerät imho erste Wahl. Preis-Leistungskiller ist es allemal und führt nicht zuletzt deshalb die einschlägigen Ratings an.
Es macht wenig falsch, kann aber mehr als man erwartet und lässt sich auch noch erweitern, um Programme sowie um Speicher
Wers braucht: es zieht Blicke förmlich an.
MFG CKN
