Seit dem 16.01.2009 ist es nun auch endlich für den Heimcomputer erhältlich, Mirror's Edge! Neugierig wie ich war, stürzte ich natürlich sofort in den Elektronikmarkt meines Vertrauens um -wie sich rausstellen wird- ein Abenteuer der ganz besonderen Art zu erleben.
Mirror's Edge? Was ist das denn?
Im Grunde ist eben genanntes Spiel im Jump&Run-Genre einzuordnen. Doch wer denkt, man laufe in Mario-Manier durch die Levels und hüpfe auf sich bewegende Pilze, ist falsch gewickelt. Vielmehr geht es darum, die Trendsportart "Parkour" nachzuspielen. Ihr mimt Faith, eine sogenannte Kurierin. Auf Grund der totalen Überwachung einer fiktiven und sterilen Stadt ist es den Menschen nicht mehr möglich, unbeobachtet Nachrichten über Telefon oder Post zu übermitteln. Hier kommt ihr ins Spiel. Als Runner sollt ihr schnell und zuverlässig Informationen überbringen. Ganz leicht, möchte man meinen, wäre da nicht die Exekutive, die eure Botengänge gar nicht gerne sieht.Eines Tages wird Faiths Schwester eines Mordes bezichtigt, den es aufzuklären gilt. Da die offene Straße zu gefährlich ist, schwingt ihr euch lieber in Ego-Perspektive über die Häuserdächer der 3D-Welt. Klingt spannend, ist es auch!
Kann das denn gut gehen?
Es kann. Und wie! Ihr steuert euer Alter Ego klassisch mit den WASD-Tasten, schaut euch mit der Maus um und springt mit dem länglichen Klotz in der untersten Reihe der Tastatur geschickt über Hindernisse. Auch restliche Feinheiten wurden sehr geschickt belegt und ermöglichen somit einen schönen Spielfluss.
Uuuund Action!
Natürlich verspricht das Spiel vor allem eins: Adrenalingeladene Verfolgungsjagden! Und von diesen gibt es mehr als genug. Fast ständig seid ihr auf der Flucht vor der Polizei. Am besten gar nicht auf eine Konfrontation einlassen, klar, wer steht schon gerne schwerbewaffneten Männern gegenüber? Also ab durch die Mitte, über tiefe Häuserschluchten, hohe Zäune, durch enge Hochhaus-Etagen und Baustellen. Wann immer ihr ein Objekt seht, mit dem ihr interagieren könnt, färbt sich jenes tiefrot. Ein gut getimeter Druck auf die Leertaste und ihr segelt elegant durch die Lüfte, um euch im nächsten Moment grazil abzurollen, nur Fliegen ist schöner. Doch keine Zeit für Verschnaufpausen, die Kugeln zischen schon wieder dicht an euch vorbei. Sollte alles nichts nützen und ihr müsst euch in den Nahkampf begeben, hilft euch ein sehr schön gestaltetes, innovatives und einsteigerfreundliches Kampfsystem. Natürlich kann es sein, dass es einem trotzdem zu schnell geht. Kein Problem, ein Knopfdruck und alles läuft in Zeitlupe ab, schöne Idee, wird aber nur selten benötigt. An sich bietet das Spiel eine klasse Atmosphäre, die sich auch in den Comic-Zwischensequenzen, mit der die Handlung kontinuierlich vorangetrieben wird, zeigt.
Hier gibt es was auf die Augen...
Von der ersten Spielminute an bietet Mirror's Edge einen WOW-Effekt. Die Programmierer benutzten die Unreal3-Engine um ihre Vorstellungen zu verwirklichen. Die Fernsicht ist einfach grandios. Ebenfalls positiv fällt der Überstrahleffekt (auch als HDR bekannt) auf, der die Areale gut in Szene setzt. Auch sonst ist alles mit Liebe für's Detail gestaltet worden, Gläser und Flaggen z.B. werden physikalisch korrekt von Projektilen getroffen, nichts, was das Spiel ungemein besser macht, nett anzusehen ist es trotzdem. Die Charaktere besitzen schöne Animationen und alles wirkt sehr durchdacht. Respekt!
...und Ohren!
Besonders zu erwähnen ist die Soundkulisse, die sich perfekt mit der Spielsituation arrangiert. Nach einem Dauerspurt hört man Feith heftig atmen, die ausführende Gewalt schreit sich während der Verfolgung Anweisungen zu, auf den Dächern hört man ca. 100 Meter unter sich Autos vorbeifahren, die Musik pulsiert im Hintergrund, treibt zu Höchstleistungen an und selbst banalste Dinge wie das Abrollen der Protagonistin wurden exzellent vertont.
Wo Licht ist...
Wie nicht anders zu erwarten, ist auch bei Mirror's Edge nicht alles in Butter. Zum einen wäre da die sehr kurze Spieldauer, zum anderen wiederholen sich Spielelemente von Zeit zu Zeit. Die deutschen Synchronstimmen sind ebenfalls nicht das Gelbe vom Ei und auch zu Bemängeln ist, dass sich wahre Herausforderungen eher in Grenzen halten.
Allgemeine Systemvoraussetzungen
Tolle Grafik hat ihren Preis, bei Mirror's Edge hält sich dieser jedoch ziemlich in Grenzen. Wichtig für den vollen Genuss wäre eine 512 MB Grafikkarte mit Shader Model 3.0 und ein recht guter Arbeitsspeicher. Soweit ich es mitbekommen habe, wird die CPU weniger beansprucht.
System: Windows XP / Vista
CPU: 2400 MHz (Minimal) 3000 MHz (Optimal)
RAM: 1024 MB (Minimal) 2048 MB (Optimal)
empf. Grafik: 3D Grafikkarte mit min. 256 MB RAM, besser 512 MB RAM
Sound: DirectX kompatible Soundkarte
HDD: 8 GB freier Festplattenspeicher
Laufwerk: DVD-ROM
Fazit
Mir persönlich gefällt Mirror's Edge außerordentlich gut, wenn mir die Spieldauer auch ein wenig zu kurz war. Jeder, der nur irgendetwas mit dem Begriff "Parkour" anfangen kann, sollte sich dieses Spiel auf keinen Fall entgehen lassen!
9/10 Punkten

